Mensch, war das gut
Von der ersten bis zur letzten Minute lagen 12 000 Fans ihrem Star Herbert Grönemeyer in der ausverkauften Stuttgarter Schleyerhalle zu Füßen. Nach dem "Warm up" in Friedrichshafen hatte der Rockstar am Sonntag seine Europa-Tour begonnen.
Musikalisch bietet Grönemeyer, der von sieben Musikern sowie einem achtköpfigen Streicher-Ensemble unterstützt wird, nicht viel Überraschendes. Bei der Auswahl der Songs bleibt der 46-Jährige dem Tour-Motto "Das Beste von gestern bis Mensch" treu. So sind bis auf "Kinder an die Macht" alle Klassiker zu hören: "Männer", "Alkohol", "Bochum" und "Flugzeuge im Bauch" fehlen ebenso wenig wie "Was soll das?" oder "Vollmond".
Bei der Bühnenshow baut Grönemeyer nach und nach einen Spannungsbogen auf. Beim ersten Stück, "Blick zurück", bewegt sich nur ein schwarzer Schatten auf der Bühne. Erst bei "Neuland" stellt die aufwendige Lightshow den Star ins Rampenlicht, nach zwei weiteren Songs erscheinen zwei Leinwände hinter der Bühne. Später werden es vier, dann sieben, ehe sie einer riesigen Projektionsfläche weichen müssen.
Der nachdenkliche, schicksalsgebeutelte Grönemeyer, den Fernsehzuschauer in den vergangenen Wochen in Talkrunden und Videoclips zu sehen bekamen, tritt an diesem Abend weitgehend hinter dem Entertainer zurück. Er hüpft wie Rumpelstilzchen, sprintet über die riesige Bühne, stolziert wie ein Hahn, schwingt gekonnt die Hüften. Er röhrt wie ein Hirsch, heult wie ein Wolf, trällert wie eine Operndiva, dirigiert das Publikum und scherzt mit ihm. Den Auftritt und das Bad in der Menge genießt Grönemeyer sichtlich. Viermal lässt er sich für Zugaben auf die Bühne zurückjubeln. Den schönsten und intensivsten Moment des Konzerts erleben die Zuschauer aber schon nach einer halben Stunde: Die Ballade und aktuelle Single "Der Weg" entfaltet live einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann.
Bis 27. 11. 2003 stehen weitere 13 Termine in fünf Ländern auf dem Programm. Im Mai und Juni setzt Grönemeyer die Tour mit 20 Open-Air-Konzerten fort, am 10. und 11. Juni kommt er nach Hamburg in die AOL Arena. Die Hallenkonzerte sind ausverkauft, für die Freiluft-Auftritte gibt es nur noch Restkarten.
Last modified 18.03.2003 16:16