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Herbert Grönemeyer

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König im einig Grönieland

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Knapp drei Millionen verkaufte Alben, ausverkaufte Hallen, Herbert Grönemeyer Superstar. Beim offiziellen Auftakt seiner Tour in Stuttgart beschenkte er die Fans mit 165 Minuten Musik. Eine Herbie-Hitparade, in der die Songs seiner CD "Mensch" die Glanzstücke waren.

Neuland heißt Herbert Grönemeyers Lied zum Deutschland dieser Tage. Eine kritische Bestandsaufnahme, wie so oft treffsicher. Doch ausgerechnet er ist jetzt zum großen Vereiniger geworden. Deutschland, einig Grönieland. Der von Schicksalsschlägen Gebeutelte hat sich mit seinem ehrlichen Meisterwerk "Mensch" auf den Popthron geschwungen. Der Superstar, der aus dem Grau kam, als Heilsbringer und Klartexter, in Zeiten, in denen die Halbwertzeit von Idolen immer kürzer wird. Grönemeyer: innovativ, alleinerziehend, skandalresistent und musikalisch auf einer neuen Etappe.

Die Erwartungen für seine Liveshow hätten kaum höher sein können. Und Grönemeyer, der von seinem Veranstalter Marek Lieberberg in Sachen Publikumsresonanz schon mal mit den Rolling Stones auf eine Stufe gestellt wird, kann in der Stuttgarter Schleyerhalle nur von einem Wasserrohrbruch aufgehalten werden. Doch dann gehts los und zwar gleich mit dem famosen "Blick zurück". Herbert, soundmäßig auf den Spuren von Peter Gabriel, im Gegenlicht wie aufgedreht - tänzelnd, hampelnd, joggend auf zwei Laufstegen. 12 000 Fans tragen ihn glückselig auf Händen und imaginär auf riesigen La-Ola-Wellen durch die Halle. Sie lieben ihn, den Allesgeber, den Schnutenzieher, der fast unbeholfen wirkt, wenn er sich ins Publikum wirft, oder im Stakkato sein "Danke schön, Danke sehr" herausstammelt.

Dramaturgischer Holzweg

Im großen, internationalen Bühnen-Outfit gibt sich Grönemeyer die Ehre. Dass der Sound bei den Rockkrachern bisweilen die Stimme schluckt, ist kein Problem. Die Texte der 28 Hits und Perlen, die der Sänger geradezu euphorisch ins Publikum wirft, beherrscht das Gros der Fans sowieso. Schade nur, dass der Chef auf der Bühne trotz aller Erfolgszahlen die Kraft der neuen Stücke zu unterschätzen scheint, dass er zumindest dramaturgisch auf dem Holzweg ist. "Der Weg", die vom achtköpfigen Streicher-Ensemble stilvoll eingehüllte Liebeserklärung für die verstorbene Frau, bei der man den Atem anhalten möchte, singt Grönemeyer bereits nach einer halben Stunde. Der Höhepunkt. "Mensch" kommt gleich danach. Zu früh.

Und jetzt? Mit Vollgas in die emotionale Achterbahn. Schwermut über Bord. Bochum, Männer - deutsche Zeitgeschichte. In "Halt mich" dann wieder der Balladenkönig, der spätestens in "Fanatisch" allen Kritikern zeigt, dass er singen kann. Kopfstimme, aber oho. Lallend ein bisschen Alkohol, dann das Ende wie ein kalter Strahl aus der Dusche.

Doch Grönemeyer und seine bewährte Band sind im Glückstaumel. Vier lange Zugabenblöcke, Bruce Springsteen-Format. Herbie lässt den Jazz rein, den Soul raus. Flotter Luxus mit Disco-Drive, Vollmond, Mambo und natürlich Flugzeuge im Bauch, in neuer Version allerdings auf Kollisionskurs. Ganz stark ist er allein an der Gitarre mit "Dort und hier", knisternd minimal, und seinem rosa gefärbten Ausblick "Demo". Er, das Piano, die Streicher, die Zukunft. Göttlich.

Keine Heimat? Stuttgart kommt gleich nach Bochum. Hier wird er an diesem Abend einfach bloß geliebt. Alle geben überwältigt alles. Premiere geglückt, gefeilt werden darf noch. Und mehr zeitlose, neue Songs mit gereiftem Mensch-Appeal gibt es vielleicht ja schon im Open-Air-Sommer. Dann wäre die Live-Sensation wohl perfekt.



Created by admin | Contributors : UDO EBERL
Südwest Presse
Last modified 18.03.2003 15:34