Grönemeyer lockte 35.000 in den Wildpark
Auf seiner Playlist standen neben Titeln seines aktuellen Albums "Mensch" natürlich auch Klassiker wie "Männer", "Alkohol" oder "Flugzeuge im Bauch". Vor allem diese älteren Songs rissen die Massen mit sich. Und so frenetisch wie zu "Vollmond" oder "Musik, nur wenn sie laut ist" gefeiert wurde, so verwandelte sich der Wildpark in ein einziges Lichtermeer, als "Herbie", wie ihn seine Fans liebevoll nennen, seine Super-Balladen "Halt mich" und "Der Weg" zum Besten gab. Letztere schrieb Grönemeyer für seine Frau Anna, die 1998 an Krebs starb. Und obwohl Gerüchte kursieren, Herbert Grönemeyer sei wieder neu verliebt, so war doch offensichtlich, dass er bei dem Lied für seine Frau schwer schlucken musste. Das Publikum schien mit ihm zu fühlen und es machte fast den Eindruck, als halte jeder im Wildpark für einen kurzen Moment die Luft an. Doch "Herbie" behielt die Fassung und legte sich nach "Der Weg" gleich wieder mächtig ins Zeug.
Was haben Bochum und Karlsruhe gemeinsam?
Dabei konnte er als Anhänger des VfL Bochum auch den fußballerischen Seitenhieb auf den KSC nicht lassen: "…machst jeden Gegner nass, auch den Karlsruher SC", änderte er spontan die letzte Strophe in "Bochum". Überhaupt sah er einige Parallelen zwischen "Bochum" und der Fächerstadt. Heißt es in dem Liedtext über die Ruhrpottmetropole "Du bist keine Weltstadt", so rief Grönemeyer dazwischen: "Genau wie Karlsruhe!" Allerdings bewies ihm das Karlsruher Publikum, dass man keine Weltstadt sein muss, um einem Künstler wie Grönemeyer einen gebührenden Empfang zu bereiten.
Das wiederum wusste der Musiker zu würdigen. Zwar kündigte er nach eineinhalb Stunden schon den letzten Song für diesen Abend an, doch nachdem seine Fans ihn immer wieder mit tosendem Beifall und "Zugabe"-Rufen auf die Bühne zurückholten, spielte Grönemeyer am Ende doch gute drei Stunden. "Das ist einfach unglaublich, total schön hier", sagte er immer wieder, sichtlich gerührt von dem Zuspruch seiner Anhängerschaft. Vor allem "la Ola" faszinierte ihn. Und so ließ "Herbie" sein Publikum dutzende Wellen durchs Stadion machen. "Das solltet ihr mal sehn, das sieht klasse aus von hier oben", freute er sich.
Flitter-Regen und Luftballons
Ebenso erfreut war allerdings sein Publikum, als der ursprünglich als krönender Abschluss geplante "Mambo", begleitet von Flitter-Regen und überdimensionalen Luftballons, nach der zweiten Zugabe doch noch nicht das Konzertende einläutete. Nein, nach der brasilianisch anmutenden Party-Einlage war noch lange nicht Schluss. Den begeisterten Forderungen nach weiteren Zugaben konnte Grönemeyer einfach nicht widerstehen, und so kamen die Fans noch in den Genuss von "Dort und hier", einer Ballade von seinem aktuellen Album, und "Selbstmitleid". Und weil er sich von seinen Karlsruher Verehrern am Ende am liebsten gar nicht mehr getrennt hätte, gab "Herbie" noch "Der Mond ist aufgegangen" in seiner ganz speziellen Version zum Besten. "Gute Nacht, bis zum nächsten Mal", verabschiedete er sich schließlich. Bis zum nächsten Mal wird es hoffentlich nicht lange dauern.
Last modified 01.06.2003 10:06